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Die Harfe zieht mich magisch an

Interview mit Lena-Maria Buchberger, Mai 2020

Schon im Alter von 6 Jahren wusste die junge Lena-Maria Buchberger, dass sie einmal Harfenistin werden würde. Und bis heute wird sie von diesem besonderen Instrument in den Bann gezogen. Nach einer Station in Berlin spielt sie seit 2013 die Harfe im Philharmonischen Staatsorchester. Wir sprachen mit ihr über das Stigma der Harfe und den kontrastreichen Ausgleich, den sie im Kraftsport gefunden hat.

Wie haben Sie sich für das Instrument Harfe entschieden?
Mit etwa sechs Jahren besuchte ich ein Konzert, das mein Vater dirigierte. Es wurden die Tänze für Harfe und Streicher von Claude Debussy gespielt. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich wusste zu dem Zeitpunkt: Die Harfe ist mein Instrument. Ich musste dann noch ein paar Jahre Überredungskunst anwenden und wurde zunächst an das Klavier gesetzt, aber als ich elf war, haben meine Eltern für mich eine kleine Harfe ausgeliehen und es war mir sofort klar, dass ich dabeibleibe.

Was schätzen Sie besonders an der Harfe?
Es gibt unendlich viele Aspekte, die ich an dem Instrument schätze. Die Harfe ist ein sehr vielseitiges Instrument und wird oft unterschätzt. Es wird meist nur die engelsgleiche Seite hervorgetan, aber die Harfe hat so viele Möglichkeiten und Klangfarben. Vieles kann ich gar nicht richtig in Worte fassen, die Harfe zieht mich magisch an.

Bei der Harfe denkt man sofort an das Romantische. Finden Sie, dieser Eindruck wird auch in der Literatur für Harfe widergespiegelt? Wie klingen die untypischen Stücke für Harfe?
Es gibt sehr viel Literatur für Harfe, die ganz seicht und romantisch ist und so ein „hach“ hervorruft. Die Menge an Literatur, die mehr aus der Harfe herausholt, ist klein, aber es gibt sie. Man findet immer etwas, womit man arbeiten kann. Oft lassen sich auch Werke beispielsweise für Cembalo oder Laute hervorragend arrangieren, was dem Harfenisten Ausflüge zu Bach oder Scarlatti ermöglicht. Es gibt auch Stücke, in denen die Harfe als perkussives Instrument eingesetzt wird und ein der Gitarre ähnlicher Klang aus ihr herausgeholt wird. Oft werden wir im Orchester sogar zur Verdopplung des Schlagwerks eingesetzt und spielen im Bass die Paukenstimme mit. Ich bezweifle zwar, ob das im Saal tatsächlich noch hörbar ist, aber trotzdem machen mir diese Stellen oft besonders viel Spaß. Wir sind also auch manchmal in der Schlagwerkgruppe zuhause.

Also empfinden Sie es gar nicht unbedingt als Nachteil, in der Oper diese romantischen, engelsgleichen Klänge zu spielen?
Nein, das macht schon Spaß. Das ist auch wirklich etwas Schönes, weil man oft im Einsatz ist, wenn auf der Bühne ganz bewegende Dinge passieren. Wenn geheiratet wird, kommt die Harfe regelmäßig zum Einsatz. Ich bedaure nur manchmal, dass wir bei Stücken wie „Le sacre du printemps“ von Strawinsky nicht mitspielen dürfen. Da passt die Harfe aber stilistisch wohl einfach nicht rein.

Harfen sind schon allein aufgrund der Optik und Größe eindrucksvolle Instrumente. Wo haben Sie Ihre Harfe gekauft?
Ich bin tatsächlich für mein jetziges Instrument nach Chicago geflogen. Es ist ein Instrument der Firma Lyon and Healy und wurde auch dort gebaut. Dort gibt es unendlich viele Instrumente, die man alle ausprobieren kann. Ich habe drei Tage lang gespielt und gespielt. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich immer zu Lächeln beginne, wenn ich auf dieser Harfe gespielt habe. Sie fühlte sich an wie ein Körperteil. Ich kann gar nicht so genau sagen, woran das liegt, aber ich bin so richtig eins mit dem Instrument geworden. Ich hatte das Gefühl, dass ich durch diese Harfe sprechen kann. Als ich das erkannt hatte, wollte ich kein anderes Instrument mehr ausprobieren.

Privat betreiben Sie Kraftdreikampf. Wie verträgt sich das mit Ihrer Tätigkeit als Musikerin?
Das ist eine Sportart der Schwerathletik, die aus drei Disziplinen besteht: dem Kniebeugen, dem Bankdrücken und dem Kreuzheben. Das ist eine sehr elementare, ehrliche und relativ grobe Sportart. Als Musikerin brauche ich ein Ventil für Stress, für Lampenfieber, auch für Leistungsdruck. Und ein gesunder, robuster Körper ist immens wichtig, um die vielen Stunden am Instrument langfristig ohne Schmerzen zu ermöglichen. Es hilft vielen Musikern sehr, wenn sie sich für etwas Anderes begeistern. Auch, um immer wieder frisch zur Musik zurück zu kommen. Das regelmäßige Training ist in meinem Alltag integriert und für mich der perfekte Ausgleich auf vielen Ebenen.

Wo kann man Sie noch in Hamburg antreffen?
Wahrscheinlich in meiner Küche beim Backen.

Nutzen Sie die Corona-Zeit zu Hause, um neue Rezepte auszuprobieren? Oder haben Sie Tipps, mit welchen Rezepten man sich jetzt die Zeit vertreiben kann?
Jetzt in der Erdbeerzeit bin ich voll in meinem Element und versuche, mit Erdbeerkuchen, Pies und Macarons Farbe in diese seltsame Zeit zu bringen. Für nächstes Jahr habe ich auf unserer Dachterrasse vier verschiedene Sorten Erdbeeren angepflanzt, hoffentlich fühlen sie sich wohl...

Wie nutzen Sie sonst Ihre Zeit zu Hause?
Neben umfassenden Renovierungsarbeiten tut es gut, sich mal wieder ausführlicher dem Lesen zu widmen, aufwendiger zu kochen und natürlich viel Kontakt zu vertrauten Menschen zu halten, die man gerade nicht persönlich treffen kann.

Das Backen und Kochen ist dann wiederum der Ausgleich zum Krafttraining.
(lacht) Genau! Aber davon abgesehen – ich liebe Hamburg, ich liebe es an der Elbe zu spazieren und an der Alster. Ich liebe diese Stadt. Ich lebe jetzt seit acht Jahren hier und bin seit sieben Jahren im Orchester. Davor habe ich in Berlin gelebt. Aber Hamburg war sofort mein Zuhause.


Das Gespräch führte Emily Checo Rodriguez

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