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Ein Orchester aus lauter Solisten

Die Philharmonischen Kammerkonzerte werden 50

Kleine Ensembles und abwechslungsreiche Besetzungen gemischt mit dem prächtigen Farbenreichtum des Philharmonischen Staatsorchesters: Die Philharmonischen Kammerkonzerte sind aus dem Hamburger Musikleben nicht mehr wegzudenken. In der Spielzeit 2017/18 feiert die erfolgreiche Reihe ihr 50-jähriges Bestehen, am 1. Oktober 2017 geben Kent Nagano und Musiker des Philharmonischen Staatsorchesters aus diesem Anlass ein Sonderkammerkonzert.

Los ging alles an einem Sonntagvormittag im Herbst 1968. Einige Philharmoniker begannen damals, sich und ihren Hörern im Kleinen Saal der Hamburger Musikhalle ein „außerdienstliches“ Vergnügen zu bereiten. So entstand – zunächst idealistisch, später „etatisiert“ — die Kammermusikreihe des Philharmonischen Staatsorchesters. Wolfgang Sawallisch, der zu dieser Zeit Generalmusikdirektor war, ließ es sich nicht nehmen, die neue Konzertreihe seines Orchesters mit aus der Taufe zu heben und übernahm den Klavierpart in Werken von Beethoven und Schubert. Zum 25-jährigen Bestehen 1993 hielt Gerd Albrecht die Laudatio auf den Freizeit-Fleiß seiner Orchestermusiker und stellte fest: „Kammermusik ist das Wichtigste, mein Ideal ein Orchester aus lauter Solisten.“

Dieser Herausforderung — solistisch tätig zu werden und auf ihre Fähigkeiten auch außerhalb des großen Kollektivs im Orchestergraben aufmerksam zu machen — stellen sich bis heute zahlreiche Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters. Aus dem Orchester heraus haben sich über die Jahrzehnte hinweg immer wieder Musikerkollegen zu festen Ensembles zusammengeschlossen, die auch außerhalb künstlerisch in Erscheinung getreten sind: das legendäre Wührer-Sextett, das Demgenski-Terzett, das Kontrabasstrio „Alsterbrummer“, die Philharmonic Clowns oder das heute international konzertierende Trio d’anches Hamburg, um nur einige zu nennen.

Bei den anfänglichen vier Matineen pro Saison ist es nicht geblieben, das Interesse des Publikums war zu groß. Heute werden sechs Abonnement-Konzerte geboten, dazu kommen Sonderkammerkonzerte mit prominenter Besetzung – in der Spielzeit 2016/17 war Klaus Florian Vogt zu Gast –, Veranstaltungen des Freundeskreises, die jährliche Theaternacht, Education-Projekte wie Philharmoniker in Schulen, Tonangeber und Spielplatz Musik oder die vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Reihen Philharmonische Akademie und Musik und Wissenschaft.

Über das enorme Pensum wachen die Mitglieder der Kammermusikkommission, die ebenfalls aus den Reihen des Orchesters besetzt ist. Nach Feierabend wählen sie Programme und Besetzungen aus und legen dabei großen Wert auf selten gespielte Werke der Kammermusikliteratur und zeitgenössische Musik. Auf diesem Wege finden seit einem halben Jahrhundert immer wieder Raritäten und Uraufführungen in die Programme der Kammerkonzerte. Die Kammermusik der Opernkomponisten Donizetti oder Puccini war hier ebenso zu hören wie erlesene Werke von Berwald, Schoeck, Enescu, Ibert oder Franz Schmidt.

Die Vitalität und Vielfalt der Reihe wird auch das Jubiläumskonzert am 1. Oktober 2017 unter Beweis stellen. Zu viel sei an dieser Stelle nicht verraten, wird der 50. Geburtstag doch gebührend mit einem Überraschungsprogramm gefeiert. Rund 35 mitwirkende Philharmoniker versprechen opulente Kammermusik mit spannenden Besetzungen und einer musikalische Reise durch die Genres und Jahrhunderte. Natürlich darf auch der derzeitige Generalmusikdirektor nicht fehlen: Kent Nagano wird zu einem Geburtstagsständchen, das 1870 anlässlich eines 33. Jubeltages entstand, den Taktstock schwingen.

Mit diesem Jubiläumskonzert nehmen die philharmonischen Kammermusiker mit einem weinenden und einem lachenden Auge Abschied vom Kleinen Saal der Laeiszhalle. Zur Abonnement-Reihe 2017/18 trifft man sich ab dem 12. November sonntagvormittags im Kleinen Saal der Elbphilharmonie.

Sonderkammerkonzert „50 Jahre Philharmonische Kammerkonzerte“
Kent Nagano
Sonntag 1. Oktober 2017, 11 Uhr, Laeiszhalle, Kleiner Saal

Großes Überraschungsprogramm

Dirigent: Kent Nagano
Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg

Karten 11-48 €